Mittwoch, 12. November 2008

Papa rockt wieder

"Terminmusik, nee, das mache ich nicht. Find ich scheisse". Das klärt André Kraml gleich mal zu Beginn. Der Mann, der das Unterarmtattoo wieder salonfähig machte in Kölner Szenekreisen, lässt sich nämlich lieber Zeit zwischen den Releases, verschweigt aber den wahren Kern seiner gemächlichen Karriere-Gangart: er ist vor allem und zuallererst mal Papa, gerade aus der Babypause hervorkommend, und eigentlich ganz zufrieden mit seinem neuesten Gesamtkunstwerk namens Laura. Bei den Müttern seiner Kindergartengruppe ist er sowieso schon ein Star, doch jene wissen vermutlich gar nicht, daß Herr Kraml auch noch für andere Hits verantwortlich zeichnet. Wir erinnern uns wohlwollend beispielsweise an "Safari", die Nummer, die das Kölner Label Firm eindrucksvoll in die Schlagzeilen hievte, oder an "Dirty Fingernails", der Track, der eine schlechte Angewohnheit zu einem Statussymbol machte. "Es ist ja auch nicht so, daß ich gar nichts mehr produziert hätte seit damals, immerhin ist ja fast jede dritte Platte auf Firm von mir, hab ich manchmal so das Gefühl", bekräftigt André, "aber das Vaterding hat mich so dermaßen geflasht, daß alles andere erstmal zweitrangig wurde."

Er wirkt aber auch wirklich nicht wie ein Kind trauriger Eltern, wenn er die Tochter durch die muckelige Dreizimmerwohnung spazierenträgt oder mal eben eine Gutenachtgeschichte vorlesen muss. Doch langsam werden wieder Energien frei, alte Leidenschaften wach, der Producer in ihm steigt aufs neue in den Sattel: "Ich habe mit vielen Leuten Sounds ausgetauscht, mir Ideen in ihren Studios geholt, da hat sich einiges angehäuft. Das muß raus!" Daß im Namen des Beats die halbe Wohnungseinrichtung vors Mikrofon gezerrt wird, ist dabei eher nebensächlich, aber Kernphilosophie von Kramls Musik. "Ich kann mich gut an meine erste Demo erinnern, die der Schaeben von Firm gehört hat. Der meinte dann, ja, das is schon gut, aber das nächste Mal, da spielste gefälligst auch was von Hand ein. Bass kann ich nicht so gut, also spiele ich Colaflaschen oder auch Barhocker, was gerade da ist. Die beste Hihat habe ich mit einem Schlüsselbund in der Hosentasche zurechtgerasselt!" Zum Glück ist André aber zu fokussiert auf den Drive seiner Stücke, als daß er den Kleinkünstler markieren würde. Schließlich gehts nur um eins: "Sexy Groove muß sein, Mann, der Groove ist das allerwichtigste!" Für Januar 2009 steht die nächste 12" an, eine DJ-Tour ist auch schon in Planung. Die drei neuen Tracks sind wahre Kleinode des etwas anderen Dancefloors, mit Gesang und Gitarre definitiv jenseits des digitalen Fetisch angesiedelt, doch nie in larmoyante Lagerfeuerromantik abrutschend. Veritables DJ-Futter und großartige Songs in einem, das bringt kaum einer so unter einen Hut wie der Kraml.

Ach ja: Vorlesen kann er wohl auch super. Behauptet zumindest seine Tochter.


You Cut


Call Me Remix


Unreachable

André Kraml spielt am Samstag, den 15.11., im Gruezi Klub.

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